Grundwissen Grammatik

Mittelhochdeutsch zum Nachschlagen und Lernen

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Mit­tel­hoch­deutsch: Kon­so­nan­ten in Ver­ben

Konsonantenverteilung bei starken Verben

Natürlich ist es geboten, die Verteilung von Verben auf Ablautreihen anhand der Vokale vorzunehmen, siehe Vokaltabelle.
Wie man aber an der Binnendifferenzierung, beispielsweise zwischen AR IIa und IIb oder IIIa und IIIb sieht, spielen auch die auftretenden Konsonanten eine wichtige Rolle, sodass man auch einmal einen Blick auf eine Kon­so­nan­ten­ver­tei­lungs­ta­bel­le wer­fen soll­te.

Inlautende Konsonanten in Ablautreihen

AV = Auslautverhärtung; gr. W. = grammatischer Wechsel

Kon­so­nant(en)ARARARARARARARAR
 bIaIIaVVI gel. wg. gr. W
 cIaIIa oft wg. AVV oft wg. AVVIVIIa​(7b) oft wg. AV
 chIaIbIIaIVVVI
 ckIVVI
 dIaIIbVVIVIIa​(7c)VIIb​(7d)
 fIaIIaIVVIVIIa​(7b)VIIa​(7c)VIIb​(7e)VIIb​(7f)
 gIaIb auch wg. gr. WIIaIIb auch wg. gr. WVVI auch wg. gr. WVIIa​(7b) auch wg. gr. W
 hIbIIaIIbIVVVIVIIa​(7b)
 lIaIIIbIVVIVIIa​(7a)
 mIaIIIaIVVI
 nIaIIIaVIVIIa​(7a)
 pIaIIa oft wg. AVV oft wg. AVVI oft wg. AV
 rIbIIb wg. gr. WIIIbIVV wg. gr. WVIVIIa​(7a)
 sIaIIbVVIIa​(7b)VIIa​(7c)
 tIa oft wg. AV od. gr. WIIb oft wg. AV od. gr. WVVIVIIa​(7b)VIIa​(7c) oft wg. AV od. gr. WVIIb​(7d)
 vVI
 wIbIIaVIIb​(7e)
 zIaIIbIVVVIIa​(7b)VIIa​(7c)VIIb​(7d)
 lbIIIb
 lcIIIb auch wg. AVVIIa​(7a) auch wg. AV
 lchIIIb
 ldIIIbVIIa​(7a)
 lfIIIb
 lgIIIbVIIa​(7a)
 lhIIIb
 lkIIIbVIIa​(7a)
 llIIIbVIVIIa​(7a)
 lpIIIb stets wg. AV
 lpfIIIb
 ltIIIb auch. wg. AVVIIa​(7a) auch. wg. AV
 lzIIIbVIIa​(7a)
 rrIIIb
 rbIIIb
 rcIIIb auch. wg. AV
 rdIIIb
 rfIIIb
 rgIIIb
 rhIIIb
 rkIIIb
 rpIIIb stets. wg. AV
 rtIIIb auch. wg. AV
 rzIIIb
 mbIIIa
 mmIIIa
 mpIIIa auch wg. AV
 mpfIIIa
 ncIIIa oft wg. AVVIIa​(7a) oft wg. AV
 ndIIIaVIIa​(7a)
 ngIIIaVIIa​(7a)
 nkIIIa
 nnIIIaVIIa​(7a)
 npfIIIa
 nsIIIa
 ntIIIa auch. wg. AVVIIa​(7a) auch. wg. AV
 nzIIIa
 pfIVVI
 schIVVIVIIa​(7c)
 stIaIV
 spV
 tzV
 ttV
 zzIIbIVVVIIa​(7c)

Ablautreihen und Konsonanten

Legende: In den schwarzen Kästchen stehen die Ablautreihen. Die Größe des Kästchens hat keinen Aussagewert, genauso wenig wie die Größe der Farbbereiche.
Die Farbbereiche, die ein Kästchen abdeckt, kennzeichnen die Konsonanten, die signifikant sind für die Ablautreihe.

Kästchen, die in den weißen Bereich hineinragen, haben neben der eingefärbten Konsonantengruppe bzw. neben dem durch Farbe gekennzeichneten Konsonanten auch Konsonanten aus dem "weißen" Bereich.
Beispiele:

  • In Ablautreihe Ia kommen Dentale   und Liquide   oder Nasale   neben dem Buchstaben f und anderen Buchstaben aus dem "weißen" Bereich vor. An sich gibt es in dieser AR keine Verben, die ein w enthalten.
  • In AR IIb kommen nur Dentale oder der Buchstabe h vor.
  • Gleiches gilt für AR V, allerdings treten dort noch weitere Konsonanten aus dem "weißen" Bereich auf.
  • Liquide oder Nasale kommen in AR IIb und AR V als Folgekonsonanten nicht vor.
  • In Verben der AR IIIa, IIIb kommen Dentale nur in Kombination mit Liquiden und Nasalen vor, aber nicht selbständig.

Im Folgenden ist ausschließlich von inlautenden Konsonanten die Rede, nicht von Konsonanten am Wortanfang.

Auffälligkeiten der Konsonatenanalyse:

Warnung: Der Konsonant r stellt tendenziell das gesamte folgende System in Frage, weil er in Folge des grammatischen Wechsels  , s → r, im Präteritum der AR IIb (kiesen: kôs, kurn, gekorn) und in AR V (wesen: wâren), die ja eigentlich beide ohne Liquid [oder Nasal] auftreten sollen, erscheint.
Abgesehen davon ist r primär in den AR IIIa, IV und VI als Stammkonsonant enthalten, in VIIa(7a) nur beim Ausnahmewort "ern" bzw. "eren".

Vernachlässigt werden hier auch die – teilweise nur im Mitteldeutschen   auftretenden – Ausnahmen, wie zum Beispiel î oder û im Präsens der AR IIa, î im Präteritum der AR VIIIa und VIIb usw.

Zunächst sollte man bei der Verbformanalyse stets unterscheiden, ob die Verbform 1) im Präsens, 2) im Präteritum oder 3) als Partizip II vorkommt.

Präsens
Auf die Konsonanten muss nicht besonders geachtet werden, weil die Zuordung von Vokalen zu Ablautreihen für folgende Vokale unproblematisch ist, da weitgehend eindeutig:

Uneindeutig sind im Präsens die Vokale a [AR VI und AR VIIa(7a)], e [AR IIIb, IV, V, VI, VIIa(7a) {kursiv für Umlaut bzw. j-Präsentia}] und i [IIIa, IIIb, IV und V]. Hier hilft die Konsonantenanalyse:

Ausnahmen bei AR VIIa

arn / ern / eren: Als Ausnahme in VIIa(7a) treten „arn“ und „ern“ / „eren“ auf: Hier folgt auf den Liquid r kein weiterer Konsonant, aber auf Grund des Vo­kal­be­stan­des zählen diese Verben zur Ab­laut­rei­he VIIa.

arn ar ier ieren gearn ackern, ziehen
ern / eren ere ier ieren garn, gearn ackern, pflügen [j-Präsentium]

 

Präsens: In AR VI werden die 2. und 3. Person Singular umgelautet, außerdem gibt es ehemalige j-Präsentia, die stets e als Stammvokal haben. In AR VIIa kann es zum Umlaut - e - in der Subklasse 7a bei der 2. und 3. Person Singular kommen.

Ausnahmen bei AR IV

Die folgenden Verben werden auf Grund ihres Vo­kal­be­stan­des zur Ab­laut­rei­he IV gerechnet, auch wenn von einem auftretenden Liquid oder Nasal vor oder nach dem Vokal in diesen Verben nicht die Rede sein kann:

deh­sen dih­se dahs dâh­sen gedoh­sen [Flachs] schwin­gen
le­schen li­sche lasch lâ­schen ge­lo­schen auf­hö­ren zu leuch­ten, lö­schen
ne­hen ni­hu nah nâ­hum nu­han er­laubt, nö­tig sein
re­chen ri­che rach râ­chen ge­ro­chen rä­chen, stra­fen
ste­chen sti­che stach stâ­chen ge­sto­chen ste­chen, ste­cken, tur­nie­ren
ur­re­chen ur­ri­che ur­rach urrâchen ur­ro­chen rä­chen, stra­fen
veh­ten vih­te vaht vuh­ten, vâh­ten ge­voh­ten fech­ten, kämp­fen
vez­zen viz­ze vaz vâ­zen gevoz­zen ge­bä­ren
zwe­cken zwi­cke zwac zwâ­ken gezwa­cken an­hef­ten

Die Wortanfangskonsonanten werden hier nicht gewertet.

 


IIIa
ist nicht die vollständige Negation von Liquid+Konsonant, sondern dem Vokal folgt ein Na­sal+Kon­so­nant.

Ausnahmen bei AR IIIb

melichen: Dieser Infinitiv stellt eine Variante zu „melchen“ oder „melken“ dar. Er wird deshalb und wegen des Vo­kal­be­stan­des auch zur Ab­laut­rei­he IIIb gerechnet, auch wenn man nicht davon sprechen kann, dass dem Liquid ein Konsonant folgt.

melichen meliche malc mul­ken gemol­ken mel­ken

schreffen / schreven: Dieses Verb wird allein wegen seines Vo­kal­be­stan­des zur Ab­laut­rei­he IIIb gerechnet, auch wenn dem Vokal kein Liquid + Konsonant folgt.

schref­fen schre­ven schrif­fe schraf schruf­fen ge­schrof­fen rei­ßen, rit­zen, krat­zen, schröp­fen

bretten: Dieses Verb wird allein wegen seines Vo­kal­be­stan­des zur Ab­laut­rei­he IIIb gerechnet, auch wenn dem Vokal kein Liquid + Konsonant folgt.

bret­ten brit­te brat brut­ten gebrot­ten zie­hen, zü­cken, we­ben


Präteritum
Auf die Konsonanten muss nicht besonders geachtet werden, weil die Zuordung von Vokalen zu Ablautreihen für folgende Vokale unproblematisch ist, da weitgehend eindeutig:

Uneindeutig sind im Präteritum die Vokale a [AR IIIa, IIIb, IV, V], â [AR IV, V] und u [AR IIa, IIb, IIIa und IIIb]. Hier hilft die Konsonantenanalyse:

IIIa ist nicht die vollständige Negation von Liquid+Konsonant, sondern dem Vokal folgt ein Na­sal+Kon­so­nant.


IIIa ist nicht die vollständige Negation von Liquid+Konsonant, sondern dem Vokal folgt ein Na­sal+Kon­so­nant.
Ausnahmen bei AR II

liehen: Das starke Verb „liehen“ wird wegen des Präteritums „louch“ zur Ab­laut­rei­he IIa gerechnet trotz des Konsonanten h, der eigentlich auf AR IIb hinweist.

lie­hen liu­he louch lu­hen gelo­hen leuch­ten

diuhen: Das starke Verb „diuhen“ wird wegen des Präteritums „douch“ [BMZ] zur Ab­laut­rei­he IIa gerechnet trotz des Konsonanten h, der eigentlich auf AR IIb hinweist.

diu­hen diu­he douch du­hen ge­do­hen an­grei­fen

rûchen: Die mitteldeutsche Variante des Verbs „riechen“ [IIa] wird wegen der Präteritalform „rôch“ zur Ab­laut­rei­he IIb gerechnet.

rû­chen rû­che rôch ru­chen ge­ro­chen rau­chen, damp­fen

schrûben: Als starkes Verb wird es zur Ab­laut­rei­he IIb gerechnet wegen der Präteritalform „schrôf“, auch wenn von einem Dental nicht die Rede sein kann.

schrû­ben schrû­be schrôf schro­wen ge­schro­wen schrau­ben




Das Partizip II erkennt man in der Regel am vorangestellten „ge“. Auf die Konsonanten muss nicht besonders geachtet werden, weil die Zuordung von Vokalen zu Ablautreihen für folgende Vokale unproblematisch ist, da weitgehend eindeutig:

  • i ohne h / w: AR Ia
  • i vor h / w: AR Ib
  • u: AR IIIa
  • e: AR V
  • â vor Dental oder c, f, g, h: VIIa(7b)
  • ei vor Dental oder f: VIIa(7c)
  • ô vor t, z: VIIb(7d)
  • ou vor f, w: VIIb(7e)
  • uo vor f: VIIb(7f)

Uneindeutig sind beim Partizip II die Vokale a [AR VI und VIIa(7a)] und o [AR IIa, IIb, IIIb und IV]. Hier hilft die Konsonantenanalyse:

 






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