Grundwissen Grammatik

Mittelhochdeutsch zum Nachschlagen und Lernen

Übungen zur Verbformbestimmung

Schlagwörter, bitte Anfangsbuchstaben eingeben!
Verb­be­stim­mung - voll­stän­dig

Ziel:

Verben aus mittelhochdeutschen Texten genau bestimmen.

Bitte beachten:

  1. Da das Programm an einzelnen Verbformen orientiert arbeitet, kommen die Tempora "Perfekt", "Plusquamperfekt" und "Futur" und das Genus Verbi "Passiv" nicht vor:
    Sie treten in folgender Form auf: Perfekt: Präsens von "haben" oder "sîn" + Partizip II (Präteritum)
    Plusquamperfekt: Präteritum von "haben" oder "sîn" + Partizip II
    Futur: Präsens von "werden" oder "suln" + Infinitiv
    Passiv: Präsens von "werden" oder "sîn" + Partizip II.
  2. Sämtliche Formen von "haben" gelten als schwaches Verb - trotz Kontraktion und Umlaut im Konjunktiv II. Beim Verb "sîn" gelten nur die Präsensformen und "gesîn" als Wurzelverb, die Präteritumsformen sind Formen des starken Verbs "wesen".
    Bei den Verben, die sowohl eine starke als auch eine schwache Konjugation aufweisen, wird danach entschieden, ob die vorliegende Form stark oder schwach ist. "Bringen" gilt im Präteritum in der Regel als rückumlautendes Verb, da es meist so gebraucht wird.
  3. Als "unregelmäßig" wird hier allein das Verb "wellen" aufgefasst.
  4. Bei manchen Verben tritt Enklise oder Proklise auf, sie werden dennoch als Verben begriffen.
    Genaueres … Enklise: Verschmelzung mit dem Folgewort: "bistû", "mochter" - häufig bzw. fast ausschließlich bei folgenden Pronomen.
    Proklise: vorangehendes Wort wird mit dem Folgewort verschmolzen, gern bei der Negationspartikel "en": "enwil", "enmac" …
  5. Die Vorsilbe "ge" tritt im Mittelhochdeutschen nicht nur als Kennzeichen des Partizips II auf, sondern wird häufig Verben zur Verstärkung vorangestellt, z. B. gesehen (Infinitiv) > gesach (1./3. Person Präteritum); genennen (Inf.) usw.
  6. Tritt bei erfolgreicher Bestimmung einer Verbform der Hinweis "Indikativ / Konjunktiv ist möglich" auf, dann bezieht sich diese Aussage allein auf die Verbform - unabhängig vom Satzzusammenhang.
    Mehr … - Die Verbform allein …
    • Bei schwachen Verben fallen die Konjunktivformen der 1. und 2. Person Singular und aller Personen im Plural mit denen des Indikativs zusammen.
    • Im Präteritum sind Indikativ und Konjunktiv der schwachen Verben in der Regel identisch - Ausnahmen hierzu treten besonders bei 'rückumlautenden' schwachen Verben auf.
    • Bei den starken Verben sind im Präsens besonders die Ablautklassen I, IIIa und VII von einem Zusammenfall der Indikativ- und Konjunktivformen betroffen.
    • Im Präteritum betrifft der Formzusammenfall besonders den Plural der Ablautklassen I und AR VII.
    • Da die Konjunktivformen jedoch apokopiert werden können oder da in Handschriften häufig die Umlautkennzeichnung unterbleibt, sind auch bei weiteren Ablautreihen Formgleichheiten möglich.
    - Im Satzzusammenhang …
    • Während in einfachen Aussagesätzen das Vorliegen eines Indikatives i. d. R. eindeutig ist - "der künec vrâgte in …" - ist die Modusidentifikation in abhängigen Nebensätzen, bei denen Konjunktiv wie auch Indikativ auftreten können, relativ schwierig bis unmöglich.
  7. Hinweise zur Bedienung …
    • Die 3. Person Singular ist vorselektiert, da sie am häufigsten vorkommt. Tempus und Modus müssen bei finiten Verbformen immer gesetzt werden.
    • Den Modus sollte man bei finiten Verbformen immer als Letztes bestimmen, er ruft automatisch eine Prüfung der Eingaben auf.
    • Identische Verbformen werden nur einmal abgefragt: Wenn beispielsweise "ist" einmal bestimmt wurde, wird es nicht mehr zur Bestimmung angeboten.
    • Alle Verformen werden jedoch gepunktet unterstrichen angezeigt.
    • Falls einem der angezeigte Textausschnitt nicht genügt, bespielsweise um zu unterscheiden, ob ein Infinitiv oder ein Partizip II vorliegt, kann man durch Klick auf die führenden oder schließenden Auslassungspunkte […] einen größeren Textausschnitt aufrufen.
    • Wurde eine Verbform richtig bestimmt, kann man sich durch Klick auf "Information" die Stammformen des Verbs zurückliefern lassen.


Verbmenge festlegen:

 

Die vorhandenen Übungstexte:

  1. Walter - Sprüche, Walter von der Vogelweide [max. 72  verschiedene Verben], Textgrundlage bei Reichston – Wikipedia [einfach!]
  2. Nibelungenlied I - 1. Aventiure [max. 78 verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
  3. Nibelungenlied II - 2. Aventiure [max. 78 verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
  4. Nibelungenlied III - 3. Aventiure [max. 223 verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
  5. Parzival (I) - Aus dem III. Buch [max. 165 verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
  6. Parzival (II) - Aus dem III. Buch [max. 155  verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
  7. Tristan (I) - Rückkehr aus Irland [max. 186  verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
  8. Tristan (II) - Rückkehr nach Irland [max. 253  verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
  9. Tristan (III) - Der Minnetrank [max. 284  verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
  10. Meier Helmbrecht - Anfang [max. 152  verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
  11. Iwein - Anfang, Hartmann von Aue [max. 185  verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
  12. Eneide - Anfang, Heinrich von Veldeke [max. 116  verschiedene Verben], Textgrundlage bei BIBLIOTHECA AUGUSTANA
    Sprachliche Besonderheiten: …
    1. her statt er
    2. Statt üe erscheint häufig ein mitteldeutsches û, z. B. rûmen statt rüemen usw.
    3. o wird gelegentlich statt u  verwendet bei Verben im Präteritum, z.B. storben statt sturben usw.
    4. û tritt gerne auch anstelle von uo auf: schûf statt schuof, mûder statt muoter, tûn statt tuon, mûste statt muoste
    5. u kann auch für iu stehen, z. B. bei frunt statt vriunt
  13. Über die Prûzin - Aus 'Di Kronike von Pruzinlant des Nicolaus von Jeroschin'. Hg. von Ernst Strehlke, in: Scriptores Rerum Prussicarum. [max. 174  verschiedene Verben] Textgrundlage: mhdwb-online.de/Etexte/HTML/nvjer.html
    Sprachliche Besonderheiten: … Bitte vorher die Seite zum Mitteldeutschen ansehen!
  14. Liet von Troye, Herbort von Fritzlar [max. 170  verschiedene Verben], Textgrundlage Herbort's von Fritzlâr Liet von Troye - Google Play Bücher
    Anmerkungen … Der Text ist schwierig: Herbot kennzeichnet die Umlaute in der Regel nicht. "v" kann für "ü" oder "u", aber auch für "uo" oder "v" stehen. Vor allem wird "æ" durch "e" ersetzt. Das macht das Erkennen von Konjunktiv-II-Formen, wie z. B. "gæbe", schwer.
    Der Buchstabe "n" wird häufig durch einen Strich über dem vorangehenden Vokal gekennzeichnet, beispielsweise ē, aber auch ō und ī usw.
    "vñ" steht für "und", "vō" für "von", dabei werden diese Wörter auch gelegentlich miteinander verwechselt.
    Der Text in normalisierter Schreibweise ist abrufbar unter M541H_norm.pdf (ruhr-uni-bochum.de)
Texte in diplomatischer, d.h. in handschriftennaher Schreibweise - für Fortgeschrittene!
[Zu Übungszwecken wurde die Kodierung der Korpustexte leicht verändert, damit auch rückumlautende Verben als solche bestimmt werden können.]
  1. Nibelungenlied I - 1. und 2. Aventiure [max. 176 verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) bei Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350)* - M321: Nibelungenlied
  2. Nibelungenlied II - 3. Aventiure [max. 327 verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) bei Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350) * - M321: Nibelungenlied
  3. Parzival (I) - Aus dem I. Buch [max. 218 verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) bei Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350) * - M325: Wolfram von Eschenbach: Parzival (D)
  4. Parzival (II) - Aus dem III. Buch [max. 272  verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) bei Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350)* - M325: Wolfram von Eschenbach: Parzival (D)
  5. Tristan (I) - Aufenthalt in Irland [max.  206  verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) bei Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350)* - M341: Gottfried von Straßburg: Tristan (f1/f + m)
  6. Tristan (II) - Folgen des Minnetranks [max.  207   verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) bei Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350)* - M341: Gottfried von Straßburg: Tristan (f1/f + m)
  7. Iwein - Anfang, Hartmann von Aue [max. 384  verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) bei Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350)* - M312: Hartmann von Aue: Iwein (B)
  8. Liet von Troye - Anfang, Herbort von Fritzlar [max. 256  verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350)* - M541H: Herbort von Fritzlar: Liet von Troye H
  9. Linzer Entechrist [max. 651  verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350)* - M065 [schwer!]
  10. Das Annolied (vor 1100) - als Beispiel für einen frühmittelhochdeutschen Text [max. 553  verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350)* - M013O
    Sprachliche Besonderheiten: …
    1. Vokale: i / a statt e in unbetonten Silben, u statt o, uo statt u, u statt uo, ei statt ê;
    2. Konsonanten: d statt t, v / f statt b, ci / zi statt zer, ſc statt sch
  11. Klagschrift der Gesellschaft der alten Geschlechter zu Mainz gegen die Zweiundzwanzig von der Gemeinde (ca. 1320) – als Beispiel für einen spätmittelhochdeutschen Text [max. 333  verschiedene Verben], Textgrundlage (XML) Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350)* - M533
    Sprachliche Besonderheiten: …
    1. i statt e in unbetonten Silben
    2. statt â, uo statt o, ý statt i
    3. d statt t
  12. Büchlein der ewigen Weisheit (ca. 1370), Heinrich Seuse  – als Beispiel für einen frühneuhochdeutschen Text, der in seinen Verbformen aber fast nur mhd. Formen enthält. [max. 1039  verschiedene Formen], Textgrundlage (XML) Referenzkorpus Frühneuhochdeutsch (1350–1650) ** - F065
    Sprachliche Besonderheiten: …
    1. ē , ī , usw. als Abkürzung für en, in, gen usw.
    2. statt bzw. œ
    3. / als individuelle Abkürzungen der Handschrift
    4. statt ü, iu, statt üe
    5. Die Umlautkennzeichnung entfällt häufig. Folglich ist nicht immer eindeutig, ob Indikativ oder Konjunktiv vorliegt.

* = Klein, Thomas; Wegera, Klaus-Peter; Dipper, Stefanie; Wich-Reif, Claudia (2016). Referenzkorpus Mittelhochdeutsch (1050–1350), Version 1.0, https://www.linguistics.ruhr-uni-bochum.de/rem/.
** = Wegera, Klaus-Peter; Solms, Hans-Joachim; Demske, Ulrike; Dipper, Stefanie (2021). Referenzkorpus Frühneuhochdeutsch (1350–1650), Version 1.0, https://www.linguistics.ruhr-uni-bochum.de/ref/ISLRN 918-968-828-554-7