Grundwissen Grammatik
Konsonanten beeinflussen bei den starken Verben die Gestalt der Vokale, z. B. ô statt ou in AR IIb wegen folgendem Dental; die Vokale – kurz oder lang - bestimmen die Schreibweise von Konsonanten.
Solange man sich sämtliche Vokal-Konsonant-Kombinationen ansieht, ergibt sich ein chaotisches Bild. Wenn man aber die Vokal-Konsonant-Kombinationen getrennt nach Präsens, Präteritum und Partizip II betrachtet, stellt man fest, dass es in der jeweiligen Stufe nur wenige Überschneidungen gibt, sodass man sagen kann: Vokal-Konsonant-Kombinationen sind in den meisten Fällen einer klar definierbaren Ablautreihe zuzuordnen.
Dabei kann man auf Konsonantenkategorien, z. B. „Nasal“, zurückgreifen, sodass man nur für ein paar wenige Einzelkonsonanten bzw. Einzellaute, „CH“, „F“, „H“ und „W“, die jeweiligen Kombinationen auflisten muss.
| a, b, c, d, e, f, g, h, i, j, k, l, m, n, o, p, q, r, s, t, u, v, w, x, y, z | Aus der Summe aller Buchstaben werden zunächst alle Sonoranten ausgeschieden, also alle Vokale und die Konsonanten j, l, m, n, r, w, y. | ||
| l, r m, n Signifikant für AR IIIa, IIIb, IV, VIIa(7a) w Signifikant für AR Ia, Ib und VIIb(7e) |
Aus den Sonoranten werden zu je einer Gruppe die Liquide, l, r, und Nasale, m, n, herausgelöst, außerdem der Buchstabe W. | ||
| b, c, d, f, g, h, k, p, q, s, t, v, x, z | Es bleiben die Obstruenten übrig, | ||
| [ch,] ck(c, k), ff(f), hs, ht, pf, sch, tt(t) – nicht ss, zz Signifikant für AR Ia, IV, VI |
↲ Aus den Obstruenten werden verschiedene Obstruentenverbindungen gebildet. | ↳ Aus den Obstruenten werden zunächst die Dentale herausgenommen und dann noch einzelne Buchstaben, die eine besondere Wirkung haben: H, F. | d, s, t, z Signifikant für AR IIa, IIb, VIIa(7b, 7c) und VIIb(7d) h, f Signifikant für AR Ia und Ib bzw. für VIIb(7e, 7f) |
| ch | Eine Sonderbehandlung erfährt ch, weil es häufig vorkommt, unterschiedliche Wurzeln hat [Ahd. hh > ch aus germanischem k: AR Ia, IIa, IV und VI, oder germanisches h im Auslaut: AR Ib, IIb, V, VI, VIIa(7a)] und gelegentlich der einzige Vertreter der Obstruentenverbindungen in einer Ablautreihe, z. B. in AR IIa, ist. | So verbleiben als restliche Obstruenten … | b, c, g, k, p, [q], v, [x] Signifikant für AR V und VI |
Definition
f ist ein labiodentaler Frikativ und gehört phonologisch zur Klasse der Obstruenten.
Auftreten
In den starken Verben des Mittelhochdeutschen geht f im Regelfall auf das durch die zweite Lautverschiebung aus p entstandene f zurück.
Ein germanisches f, das als v realisiert wird und dem Vernerschen Gesetz unterliegt (→ b), ist hier von untergeordneter Bedeutung, weil es de facto recht selten - in Ablautreihe VI - auftritt.
f fungiert als
Definition
h ist ein glottaler Frikativ und wird in der Regel den Obstruenten zugeordnet.
Auftreten
Für die Ablautklassifikation ist zwischen zwei historischen Ausprägungen zu unterscheiden:
2.1 Primäres germanisches h
Dieses h ist aus germ. k hervorgegangen und erscheint im Mittelhochdeutschen häufig im Anlaut (haben, halten).
Im Inlaut unterliegt es dem grammatischen Wechsel mit g, vgl.:
dîhen – digen
ziehen – zogen
gewahen – gewuogen
vâhen – gevangen
2.2 Sekundäres h (nivelliert)
In der Ablautreihe V ist der grammatische Wechsel bei h im Mittelhochdeutschen häufig aufgehoben (sehen – sâhen).
Unabhängig von dieser Differenzierung ist h
Konsequenz
Eine Beschreibung der Reihen Ib und IIb über die abstrakte Konsonantenklasse „Obstruent“ verfehlt die konkrete Verteilung von h.
h wird daher als eigenständiger reihenkennzeichnender Konsonant geführt.
Definition
w ist ein labiovelarer Approximant und gehört phonologisch zur Klasse der Sonoranten.
Auftreten
w tritt systematisch und nicht zufällig in
auf und trägt dort zur Abgrenzung gegenüber formal ähnlichen Reihen bei.
Außerdem erscheint inlautendes w gerne in Ablautreihe IIa und bewirkt dort im Präsens durchgehendes iu oder û
Gleichzeitig neigt w dazu, im Singular Präteritum, mit dem vorangehenden Vokal zu verschmelzen bzw. zu schwinden.
Konsequenz
Die bloße Angabe „Sonorant“ ist für diese Reihen nicht hinreichend differenzierend.
w wird daher aus der allgemeinen Sonorantenklasse herausgelöst und als spezifischer reihenkennzeichnender Konsonant behandelt.
Definition
Die Graphie ch repräsentiert im Mittelhochdeutschen unterschiedliche lautgeschichtliche Ursprünge und ist daher nicht eindeutig interpretierbar.
Auftreten
Es sind mindestens zwei Typen zu unterscheiden:
a) Reflex von germanischem h
b) Reflex von ahd. hh (< germ. k)
Definition
Bei ff und tt handelt es sich um geminierte Obstruenten, die als Konsonantenverbindungen analysiert werden.
Auftreten
Abkürzungen in der Folge des Auftretens:
D = Dental
L = Liquid
L+K = Liquidverbindung
N = Nasal
N+K = Nasalverbindung
O = restliche Obstruenten: b, c, g, k, p, v
OV = Obstruentenverbindung: [ch], ck(>c, k), ff(>f), hs, ht, pf, sch, tt(>t) – nicht ss, zz
K = beliebiger Konsonant
Reale Konsonanten sind kursiv gedruckt, mit Klammern ist entweder das Herkommen (<x) oder die Ausformung (>x) gekennzeichnet
Wenn man sich darüber im Klaren ist, ob eine Verbform im Präsens, im Präteritum oder als Partizip-II-Form aufzufassen ist, dann ergibt der Vergleich von Vokal- und Konsonantenkombinationen in der jeweiligen Kategorie nur wenig Überschneidungen:
| Präsens | Präteritum | Folgekonsonanten | ||||
| AR | Inf. | 1. Pers. Sg | 1. Pers. Sg. | Plural | Part. II | |
| Ia | îD | eiD | iD | iD | Dentale | |
| IIb | ieD | iuD | ôD | uD/ uR(<s) | oD / oR(<s) | |
| V | eD | iD | aD | âD / aR(<s) | eD | |
| VI | aD / eD* | uoD | aD | |||
| 7b | âD | ieD | âD | |||
| 7c | eiD | ieD | eiD | |||
| 7d | ôD | ieD | ôD | |||
| Ia | îL | eiL | iL | iL | Liquide | |
| IV | eL | iL | aL | âL | oL | |
| VI | aL / eL* | uoL | aL | |||
| IIIb | eL+K | iL+K | aL+K | uL+K | oL+K | Liquid+Konsonant |
| 7a | aL+K / eL+K* | ieL+K | aL+K | |||
| Ia | îN | eiN | iN | iN | Nasale | |
| IV | eN | iN | aN | âN | oN | |
| VI | aN / eN* | uoN | aN | |||
| IIIa | iN+K | aN+K | uN+K | uN+K | Nasal+Konsonant | |
| 7a | aN+K / eN+K* | ieN+K | aN+K | |||
| Ia | îO | eiO | iO | iO | Restliche Obstruenten | |
| IIa | ieO | iuO | ouO | uO | oO | |
| V | eO | iO | aO | âO | eO | |
| VI | aO / eO* | uoO | aO | |||
| 7b | âO | ieO | âO | |||
| IV | eOV | iOV | aOV | âOV | oOV | Obstruentenverbindungen |
| Ia | îOV | eiOV | iOV | iOV | ||
| VI | aOV / eOV* | uoOV | aOV | |||
| 7c | eiOV | ieOV | eiOV | |||
| Ia | îCH | eiCH | iCH | iCH | CH | |
| Ib | êCH | |||||
| IIa | ieCH | iuCH | ouCH | uCH | oCH | |
| IIb | ôCH | |||||
| IV | eCH | iCH | aCH | âCH | oCH | |
| V | aCH | |||||
| VI | aCH / eCH* | uoF(<ff) | aCH | |||
| Ia | îF | eiF | iF(>ff) | iF(>ff) | F | |
| IIa | ieF | iuF | ouF | uF | oF | |
| 7b | âF | ieF | âF | |||
| 7c | eiF | ieF | eiF | |||
| 7e | ouF | ieF | ouF | |||
| 7f | uoF | ieF | uoF | |||
| Ib | îH | iG(<h) | iG(<h) | H | ||
| IIb | ieH | iuH | uG(<h) | oG(<h) | ||
| V | eH | iH | âH | eH | ||
| VI | aH / eH* | uoC(<g<h) | uoG(<h) | aG(<h) | ||
| 7a | âH | |||||
| Ib | îW | ê(W) | iW | iW | W | |
| IIa | iuW | ou(W) | uW | oW | ||
| 7e | ouW | ie(W) | ouW | |||